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Für
Admiral Fedor Fedorowitsch Uschakow, den größten russischen
Flottenführer, den "Suworow der Seeschlachten", wie er
von seinen Zeit-genossen und den späteren Generationen genannt
wurde, gab es bis zu seinem letzten Atemzug nichts Höheres als
die Flotte und die Seeleute seiner Heimat, als den Dienst dieser Flotte
am Vaterland. Es war ihm jedoch nicht vergönnt, sich rasch auf
dem Gebiet hervorzutun, auf welchem ihm später unsterblicher Ruhm
beschieden war, der Ruhm eines Seebefehlshabers, der die russische Flotte
von Sieg zu Sieg führte und die ganze Welt durch seine unvergleichlichen
Beispiele der Flottenführung in Verwunderung setzte - wie etwa
durch die Erstürmung starker Seefestungen ausschließlich
mit Kräften der Flotte, ohne jegliche Unterstützung der Landtruppen.
Der Ruhm eines russischen Seehelden wurde ihm aber nicht in jungen,
sondern erst in reifen Jahren zuteil. Erst mußte er einmal selber
die Geschwader bauen und ausrüsten, Seehäfen schaffen, Werften
errichten und die Mannschaften ausbilden. Uschakow war der erste von
den vielen großartigen Führern und Erziehern der russischen
Seeleute, unter denen sich Admiral Lasarew und Lasarews Schüler
Nachimow, Kornilow und lstomin besonders hervortaten.
Diese Seestrategen, selber Helden und Patrioten, erzogen ihre Seeleute
ebenfalls zu selbstlosen Helden. Einer verarmten Familie entstammend,
wußte Uschakow mit den Matrosen nicht nur eine gemeinsame Sprache
zu finden, sondern auch ihre tiefe Liebe zu gewinnen. Gern und bereitwillig
gehorchte man ihm, nicht weil man ihn fürchtete, sondern um sein
Lob zu verdienen. Rußland treu zu dienen, furchtlos in den Kampf
zu ziehen, zum Sieg oder zum Tod fürs Vaterland - das war der Geist,
in dem Uschakow seine Matrosen so er folgreich erzog, um sie dann vorwärtszuführen
zu großen Taten. Von den ersten Dienstjahren an zeigte Uschakow
stets und in allem außergewöhnliche Umsicht, Entschlossenheit,
Furchtlosigkeit, Geistesgegenwart in der kritischsten Lage. Schon damals,
noch vor Beginn seiner Laufbahn als Lenker von Seeschlachten, wurden
Uschakows Verdienste anerkannt, ja er hatte sich durch sie schon den
Neid der adligen reichen Streber zugezogen, hinter denen einflußreiche
Gönner standen. Glücklicherweise erkannte der berühmte
und damals all mächtige Staatsmann, Feld-marschall Potemkin, das
angeborene Talent und die kolossale moralische Stärke, die in diesem
bescheidenen Offizier schlummerten. Potemkin begann Uschakow auf verantwortliche
Kampfposten zu stellen, und sofort entfaltete der Adler seine mächtigen
Schwingen.
Im Jahre 1787 brach ein für Rußland schwerer Krieg mit der
Türkei aus, die direkt oder indirekt von England, Frankreich und
Schweden unterstützt wurde.
Die erste große Seeschlacht zwischen dem russi-schen und dem tür-
kischen Geschwader fand am 3. Juli 1788 auf dem Schwarzen Meer bei der
Insel Fidonissi statt. Uschakow befehligte die Vorhut. Die Türken
hatten fast eine dreifache Übermacht und hofften, die russische
Flotte umzingeln und versenken zu können. Doch mußten sie
noch einem dreistündigen, für sie erfolglosen Gefecht die
Flucht ergreifen.
Zum Konteradmiral befördert, wurde Uschakow Befehlshaber des Schwarzmeergeschwaders.
In zwei neuen Schlachten zerschlug er zwei
türkische Geschwader, zuerst in der Straße
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von
Kertsch und dann bei Chadshibej. Nacheinander
folgten die Siege bei Jenikale, Sinob, bei Anapa und an anderen Stellen.
Am 31. Juli 1791 kam es zur großen Seeschlacht bei Kap Kaliakria,
wo eine riesige türkische Flotte lag, die vorwiegend aus neuen,
auf englischen und französischen Werften gebauten Schiffen bestand.
Die Türken hatten 18 Linienschiffe, 17 Fregatten und über
40 andere Schiffe. Uschakow, der über viel geringere Kräfte
verfügte, griff die Türken über-raschend an und brachte
ihrer Flotte eine vernichtende Niederlage bei, nachdem er sie durch
meisterhaftes Manöver in zwei Teile getrennt hatte. Der aufs Haupt
geschlagene Gegner hoffte, sich mit Anbruch der Dunkelheit retten zu
können. Uschakow aber verfolgte die Reste des feindlichen Ge-schwaders
und bohrte ein Schiff nach dem anderen in den Grund. Nur einigen wenigen
türkischen Schiffen gelang es, sich nach Konstantinopel zu retten.
Bis zum Ende des Krieges existierte die türkische Flotte nicht
mehr als Kampffaktor. Die prächtigen Siege der russischen Seeleute.
Uschakows hervorragende Kunst in der Flottenführung, die Standhaftigkeit
und Furchtlosigkeit der russischen Schiffsbesatzungen lösten in
ganz Europa größten Widerhall aus und riefen bei den starken
Seemächten - bei England und Frankreich - ernste Beunruhigung hervor.
Uschakows Siege erfüllten sie nicht nur mit Unruhe, sondern auch
mit Neid. Man fragte sich in Europa: Mit den Türken macht Uschakow
nicht viel Federlesens, reicht ihm aber seine Kriegskunst, und sind
die russischen Seeleute tapfer und erfahren genug, um mit der Flotte
einer europäischen Seemacht fertigzu- werden? Diese Frage beantwortete
Uschakow auf eindrucksvolle und glänzende Weise.
In den Jahren 1796/97 hatte Napoleon Bonaparte einen bedeutenden Teil
Italiens erobert, sich der Ionischen Inseln bemächtigt und war
dann nach Ägypten gezogen. Unterwegs nahm er von der Insel Malta
Besitz. Die Franzosen bedrohten die Türkei und England. Es bestand
auch die Gefahr, daß sie ins Schwarze Meer eindringen und die
russische Küste überfallen könnten.
Rußland, die Türkei und England beeilten sich, ein Bündnis
zu schließen. Uschakow wurde mit dem Kommando über das russische
Geschwader betraut, das er durch den Bosporus und die Dardanellen ins
Mittelmeer führte. Hier übernahm er auch den Befehl über
dos türkische Geschwader und segelte donn zu den Ionischen Inseln,
wo der geniale Flottenführer und seine kampfgestählten, ruhmreichen
Seeleute eine Reihe neuer glänzender Siege errangen.
Die griechische Bevölkerung der lonischen Inseln begrüßte
Uschakow und seine Flotte als ihre Befreier. Eine nach der anderen nahmen
die russischen Seeleute die lnseln Cerigo, Zante, Kephalonia, lthaki
und Santa Maura. Alle französischen Garnisonen ergaben sich.
Das gleiche Los ereilte auch die Hauptinsel des Archipels. Korfu. Das
war unerhört. In Europa wollte man es einfach nicht glauben, als
bekannt wurde, daß eine Flotte aus eigener Kraft eine so starke
Land- und Seefestung genommen hat.
Begeistert über Uschakows Heldentat, voll Stolz auf Rußland,
gratulierte der große russische Feldherr Suworow dem Sieger mit
den Worten: "Ein Hurra für die russische Flotte! Jetzt läßt
es mir keine Ruhe: Warum war ich nicht wenigstens als Schiffsfähnrich
mit bei Korfu ! Als großer Seestratege, als Patriot und Held lebt
Uschakow fort im Gedächtnis des russischen Volkes. als Sinnbild
seines unvergänglichen Ruhmes.
Aus "Sowjetunion" Nr. 6 (40) Juni 1953
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Wie
der Film "Segel im Sturm" entstand:
Im Jahre 1951 begann das Künstlerkollektiv unter Leitung des Regisseurs
M. Romm die Dreharbeiten zu dem Film "Segel im Sturm". Die
Aufgabe war klar: Uschakow, seine Zeit- und Kampfgenossen lebensecht
zu zeigen. die Epoche der Kriege um das Schwarze Meer im 18. Jahrhundert
historisch echt wiederzugeben.
Die Schwierigkeiten begannen bereits im vorbe-reitenden Studium. Die
offizielle zaristische Geschichtsschreibung verschwieg bewußt
Admiral Uschakows Verdienste. weil er ein Soldat des Volkes war. Nur
ein einziges Buch erschien im ganzen 19. Jahrhundert über ihn.
kein zuverlässiges Porträt blieb erhalten. Erst die sowjetische
Geschichtswissenschaft veröffent-lichte reichhaltiges Dokumenten-material,
das Charakter und Persönlichkeit Uschakows wahr-heitsgetreu beleuchtet.
Professor I. Isakow, ein hervorragender Kenner der Geschichte der russischen
Flotte, unterstützte die Dreharbeit durch systematische Vermerke,
die in wissen-schaftlicher Exaktheit ge-schrieben, wertvolle Hinweise
und Anregungen für die Darsteller enthielten. Sie umfaßten
alle wesentlichen Details des Alltagslebens der russischen Flotte im
18. Jahrhundert, die Kommandoworte, das Verhältnis der Offiziere
zu den Mannschaften usw., und erwiesen sich daher als unerläßlich
für eine realistische künstlerische Gestaltung.
Gründlich studierte das Aufnahmekollektiv das Segelschiff und seine
Takelage und lernte die Bedienung der alten Kanonen. Erst nach diesem
Studium begannen die Außenaufnahmen in Odessa, Jalta und anderen
Orten am Schwarzen Meer. Gewaltige Dekorationen der Stadt Cherson und
der Werft, wo Uschakows Flotte entstand, wuchsen an den Ufern des Schwarzen
Meers auf. Nach Originalentwürfen aus dem Archiv der Flotte in
Leningrad wurden die Dekorationen zu Uschakows Flaggschiff "Der
heilige Paul" hergestellt. Ein eiserner Lastkahn, auf dem Masten
und Takelwerk errichtet wurden, verwandelte sich in eine genaue Kopie
des historischen Schiffes. Lediglich die Höhe der Masten - bei
den Schiffen Uschakows 80 m, was der Höhe eines 14-Etagen-Hauses
gleichkommt - wurde verringert. Die Tatsache, daß allein 5000
Kostüme von den Moskauer Ateliers nach dem Süden gebracht
wurde, unterstreicht
nachdrücklich den Umfang der Außenaufnahmen.
Für die Totalaufnahmen der Seegefechte mußten Modelle einer
ganzen Flotille im Größenverhältnis 1:10 gebaut werden.
Die Kanonen, mit denen die Modelle bestückt waren, konnten abgefeuert
werden; das Zusammenbinden des Takelwerks erforderte eine zweimonatige
Arbeit von 40 Facharbeitern.
Auf jedem Modell befanden sich während der Aufnahmen ein Elektriker
und ein Bootsmann. Mit Hilfe eines komplizierten Drähtesystems
war es dem Elektriker möglich, das Feuer aus 80 Kanonen zu lenken.
Wenn im dunklen Kinosaal die farben-prächtige Bilder des Films
"Segel im Sturm" an unserem Auge vorüberziehen, dann
bemerkt keiner der von der Vollendung des Kunstwerkes be-geisterten
Zuschauer, wieviel mühselige Arbeit, welche komplizierten technischen
Maßnahmen notwendig waren, ehe der Film zu dem wurde, was er endlich
ist.
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