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Teil-1
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VerBei einem Autor, der wöchentlich einen Roman oder ein Drama herzustellen
pflegte, was am Ende seines Lebens die beachtliche Summe von rund 300 Roman-
und Theaterbänden ausmachte, darf man kaum künstlerische Meisterschaft
vermuten, wohl aber eine gewaltige, fruchtbare Phantasie, erstaunliche Geschicklichkeit
und nicht minder erstaunliche Körperkräfte. In den Werken Alexander
Dumas d.Ä. (1802 bis 1870), des geistigen Vaters des "Grafen von
Monte Christo" und auch der "Drei Musketiere", geht grell und
heftig zu. Eine äu8erlich komplizierte, üppig verschlungene Handlung
hält den Leser in Atem und verblüfft ihn durch unerwartete abenteuerliche
und phantastische Wendungen. Intrigen, Liebe, Politik purzeln unsortiert durcheinander.
Man purzle ruhig mit, versuche nicht , die Dinge auf ihre Wahrhaftigkeit zu
prüfen. Daß andere vor Monte Cheisto und Der drei Musketiere ,,Grafen
von
und ihre mehrfache Verfilmung. 'Fast scheint es ein ungeschriebenes Gesetz
der Kinematographie: jeder
Generation ihren Monte-Christo-Film,
Und dies ist der Geschichte erster Teil: Marseille 1815. Edmond Dantes, ein
Jüngling von edler Seele und Gestalt, seit seiner letzten großen
Fahrt, zudem Kapitän der stolzen ,,Pharao, kehrt heim, um seine Braut
Mercedes in die Arme zu schließen, die trotz der Werbungen ihres Vetters
Ferdinand treu auf den Geliebten gewartet hat. Das Glück der beiden ist
allzu kurz. Zwar nicht der Neid der Götter, wohl aber der seiner Mitbürger
bringt Dantes noch selbigen Tages ins Unglück. Ein anonymer Brief (geschrieben
von Ferdinand, der sein Mädchen, und Caderousse, der seine Kapitäns-Stellung
will) bezichtigt Edmond Dantes der Konspiration zugunsten des verbannten Napoleon,
Fotalemeise hat auch der Staatsanwalt, Monsieur Villef~rt, allen Grund, den
unschuldigen Jüngling verschwinden zu lassen.
Er braucht gewissermaßen einen ,,Ersatzmann" für den eiqenen
Vater, der Napoleon weit besser kennt als der arglose Edmond. Aus den himmlischen
Armen der Geliebten stürzt Dantes direkt in die Hölle des Castell
d'lf, von wo noch kein Gefangener zurückkehrte. Daß Edmond der
erste - dankt er der wahrhaft Überschäumenden Phantasie seines egrestiest
igiset,n veErr. zeugers Dumas, dem der ungewöhnlichste aller Fluchtwege
einfiel. Vorher aber läßt er seinen Helden 20 Jahre im finsteren
Verlies schmachten und
seinen Verderbern tödliche Rache schwören. Ein sich immer zur rechten
Zeit einstellender glücklicher Zufall beschert dem Rachedurstigen die
materielle Grundlage für sein Vorhaben, einer -'hat2
nämlich auf der Insel Monte Christo. Dank seines märchenhaftehsichtums
und seiner fast noch märchenhafteren geistigen und körperlichen
Vorzüge übernimmt der nunmehrige Graf von Monte Christo die Rolle
der strafenden Gerechtigkeit Das aber erlebt das geneigte Publikum erst im
2. Teil des Films - demnächst in diesem Theater. |
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Teil-2
Das geneigte Publikum wird sich aus dem 1. Teil unseres Films folgender romantischer
Begebenheiten erinnern: Edmond Dantes, ein ebenso schöner wie edler Jüngling,
wird durch eine schändliche Intrige seiner Neider Ferdinand und Cadercusse,
von der Seite seiner Braut Mercedes hinweg verhaftet.
Der Staatsanwa4t Villevort Iäßt den Unschuldigen wider besseres
Wissen in den furchtbaren Kerker des Custell d´if werfen. 20 Jahre schmachtet
Dantes; bis es ihm auf abenteuerlichste Weise gelingt, zu entkommen. Durch
ein Geheimnis seines verstorbenen Zellennachbarn wird er märchenhaft
reich und kehrt als Graf von Monte Christo in die Gesellschaft zurück.
Sein einziges Ziel: furchtbare Rache zu nehmen.
Erstes Opfer ist der Graf Moncerf, in dem man kaum den Ferdinand von einst
wiedererkennt. Er hat inzwischen nicht nur die sch6ne Mercedes geheiratet,
der das Warten wohl doch zu lang geworden war, sondern ist auch General und
Graf geworden. Monte Christo, der Allwissende, aber' braucht nur die erbärmliche
Geschichte zu , veröffentlichen, wie ein gewisser Soldat Ferdinad die
Sprossenleiter der Gesellschchaft erklomm, alles andere ergibt sich von selbst:
Schimpf, Schande, Selbstmord. Und schon "'
setzt der Unermütliche ein Strafgericht so präzise wie genüßlich
fort. Opfer Nr. 2 ist Caderousse. Er wird von einem Mitspitzbuben namens Benedetto
erdolcht. Das aber ist nur das Vorspiel, um Villefort, den Hauptschuldigen,
zu vernichten. Unser Rächer hat inzwischen seine Höchstform erreicht;
die Vergeltung ist nahezu perfekt. In Benedetto nämlich darf man niemand
anders vermuten, als den illegitimen Sohn des Monsieur Villefort, den dieser
einst als Säugling in düsterer Nacht verscharren wollte. Trotz der
väteriichen Bemühung damals steht Benedetto höchst lebendig
vor Gericht und enthüllt im Laufe der Verhandlung die Wahrheit über
seinen Erzeuger. Verständlich das Monte Christo es sich nicht nehmen
läßt, im Wandelgang des Gerichts den vernichteten Villefort persönlich
zu erwarten. Der erkennt den späten Rächer und sinkt entseelt zu
Boden. Bleibt dem Grafen nur noch der Abschied von Mercedes, die dabei ist,
mit ihrem Sohn einfaches, ehrliches Leben zu beginnen. Sie wird es sich versüßen
durch die Erinnerung an vergangene Jugend, vergangenes Glück. Edmond
Dantes läßt die Geliebte von einst allein. Es erwartet ihn Haidee,
die schöne Sultanstochter, sein Richteramt ist beendet; er kann sich
vergnüglicherem Tun hingeben.
Mag sein, daß der unermüdlich rächende Graf mit seiner Dämonie
und düsteren Schönheit uns heute recht übertrieben erscheint.
Der Film sieht solche Einwände durchaus vor und weist einleitend auf
den sehr romantischen Charakter des Dumasschen Romans hin. Man kann das erweitern
und daran erinnern, daß Alexander Dumas d. Ä. das roheste Talent
der romantischen Schule ist. Der verehrte Filmbesucher wird gut tun, seinen
eigenen Geschmack zu vertrauen. Es ist bdurchaus erlaubt, die Phantasie des
Herrn Dumas, von der 300 seiner Werke leben, mit Abstand und Humor zu genießen. |
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